Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)

Kurzes Aufzuchtschema

Wichtige Vorbemerkung: Es ist mir leider nicht mehr möglich, Rot- und Gelbwangenschmuckschildkröten oder sonstige "Exoten"  unterzubringen oder zu vermitteln.

Ich halte und züchte seit über 20 Jahren diese Schildkrötenart und gebe Aufzuchttipps, die sich nach meiner Erfahrung bewährt haben, jedoch ohne jede Gewährleistung gegenüber dennoch auftretenden Problemen. Andere Züchter mögen zu anderen Erkenntnissen kommen, also informieren Sie sich bitte umfassend.

Mein gesamter Bestand ist behördlich angemeldet, die Tiere besitzen die erforderlichen Papiere inklusive der Freistellung vom Vermarktungsverbot (Regierungspräsidium Stuttgart).

Wichtiger Hinweis: Seit 2015 habe ich mich entschlossen, die Zucht der Europäischen Sumpfschildkröte stark einzuschränken. Momentan sind daher keine Jungtiere abzugeben.

Erstes bis zweites Lebensjahr

Zimmerhaltung im Aquarium, Kantenlänge 60-80 cm, Wasserstand 20-40 cm, leicht erklimmbarer Landteil, z.B. ein zwischen den Scheiben schräg eingeklemmtes Stück Zierkork, teilweise unter Wasser. Darüber ein SPOTSTRAHLER mit 60-75 Watt, z.B. Osram Concentra, maximale Erwärmung der Tiere 35-39° C.
Wasserheizung dann evtl. entbehrlich, jedoch ca. ¾ der Oberfläche unbedingt abdecken.
Normales Leitungswasser, leicht abgestanden, ist geeignet. Häufigeres Wechseln oder Filtern des Wassers, spätestens bei Trübung oder Geruchsentwicklung, verhindert Pilzerkrankungen.
Wasserpflanzen aus Gartenteichen können hinzugegeben werden, dienen teilweise der Zusatzernährung, teilweise der Beschäftigung und können das Schwänzchenabbeißen verhindern.

Tägliche Fütterung

Getrocknete oder lebende Gammarus (Bachflohkrebschen)
Getrocknete Garnelen, Pellets für Wasserschildkröten, Sticks für Teichfische u.ä.
Rinderherzstreifen (Vorrat bereits klein geschnitten in Tiefkühltruhe)
Mageres Rinderhack (am besten ein Mineral-Vitamingemisch wie z.B. Korvimin einkneten)
Fischstückchen, Regenwürmer, Wasserinsekten
Wasserlinsen werden meistens auch genommen

Nach 2-3 Jahren können die Tierchen 7-9 cm Panzerlänge erreichen und bei geeigneten Naturteichen oder biotopmäßigen Gartenteichen ist die Freilandhaltung angebracht:

Bei 60 cm Mindesttiefe ganzjähriger Verbleib. Umzäunung zwingend. Eventuell Schutzgitter gegen Fressfeinde wie Reiher, Krähen, Waschbären usw. anbringen. Tiere klettern sehr gut. Drahtzäune mit Abkantung sichern. Glattwandige Umzäunungen, ca. 30-40 cm hoch, bieten mehr Sicherheit und ein günstigeres Kleinklima.
Flachzonen und Ausstiegshilfen, reichliche Ufer- und Unterwasservegetation erleichtern das Atemholen. Tiere können in glattwandigen Wannen oder frisch angelegten, steilwandigen Folienteichen bei Temperaturen unter 17° C. ertrinken (!!), nicht aber in beliebig tiefen Naturteichen mit Bodenbelag, z.B. Steinen, Kies oder Unterwasserpflanzen (Tausendblatt, Hornkraut).

Teichfütterung

Schwimmfähige Sticks für Teichfische oder Wasserschildkröten, getrocknete Gammarus, Fleisch- und Fischstreifen am Ufer ausgelegt oder von der Pinzette. Das Futter wird ausschließlich unter Wasser verschlungen. Fütterung nur von Mai bis Anfang Oktober sinnvoll.

Vorteile gegenüber Rot- oder Gelbwangen

  1. Geringere Endgröße mit ca. 15 cm Panzerlänge
  2. Geringerer Nahrungsumsatz bedeutet geringere Wasserbelastung
  3. Kein Abbeißen der Teichpflanzen
  4. Kein Risiko bei der Freilandüberwinterung
  5. Kein Erbeuten von gesunden Fischen, relativ gute Koexistenz zu Amphibien
  6. Zucht als Beitrag zum Artenschutz! Europäische Sumpfschildkröten sind in der Natur vom Aussterben bedroht. Geringe Restbestände z.B. in Brandenburg.
  7. Sehr gute Verträglichkeit bei Weibchenüberschuss und gut strukturierten Anlagen, z.B. durch Baumstämme und Bepflanzung. Gruppenhaltung ist artgerecht.
  8. Keine Faunenverfälschung

Die Zucht gelingt jedoch relativ leicht ab einem Alter von ca. 6-10 Jahren. Eine ideale Zuchtgruppe von blutsfremden Tieren, vielleicht als Jungtiere herangezogen und dadurch gut akklimatisiert, bestünde etwa aus 2-3 Männchen und 4-6 Weibchen.

Männchen erkennt man bereits mit 2-4 Jahren an der stärkeren Schwanzdicke, weiterem Kloakenabstand zum Bauchpanzer (Plastron) und einsetzender Plastronwölbung nach innen. Die meisten mitteleuropäischen Männchen entwickeln später eine braunrote Iris.

Aufgrund der temperaturabhängigen Geschlechtsfixierung während der Inkubation der Eier kann ich mit ziemlicher Sicherheit die Geschlechter bereits beim Schlupf zuordnen!

Haftungsausschluss

Haltungstipps ohne Gewährleistung.

Infoblatt erstellt von Wolfgang Hemmer.

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